Mara Brodowsky
Teil 3
Erinnerst Du Dich an das süsse ShopGirl Meg Ryan in ihrem Film
"Email for You"?
Ich hab ihn mir seinerzeit angesehen, weil ich vestehen wollte,
weshalb meine Jungs - kaum, dass sie aus der Schule kamen, an ihren Laptops hingen.
Wie Meg Ryan, die, kaum in ihrer Wohnung, einen Button drückte
und der Nachricht "Du hast Post" entgegen fieberte.
Von Blogs und ihrer Unwiderstehlichkeit sprach damals noch niemand - aber das Phänomen war das gleiche.
Kann man hier schon von einem 'Rattenfängersyndrom' sprechen?.
Eher noch nicht.
Ich begriff die Faszination, die diese direkte, auf die eigene Person bezogene Kommunikation für meine Kinder hatte.
Sonst erhielten sie nur für vergleichsweise kurze Momente am Frühstückstisch, in der Schule, im Verein, beim Zubettbringen die direkte Ansprache und volle Aufmerksamkeit einer anderen Person. Aber hier waren sie und ihr Gesprächspartner allein,(meistens) ungestört und selbstbestimmt - solange sie wollten -oder Zeit hatten.
Der Ryan Film auf unterhaltsame Weise Aspekte dieser direkten Beziehung, die durch die räümliche Distanz und die technischen Möglichkeiten sogar noch gewann.
Aber darauf wollen wir hier nicht eingehen.
Zeit und technische Entwicklung sind seitdem fortgeschritten.
Das Weblog, das in seinen Anfängen eher einem Tagebuch- oder Journaleintrag glich, der offen für die Beiträge von Freunden und Diskussion mit Kollegen war, hat sich international zum Medium mit der größten Zuwachsrate gemausert.
Was macht ihn denn so unwiderstehlich -für User und Leser gleichermaßen?
Neben manchen anderen Motiven spielt die menschliche Neugier eine gewichtige Rolle. Menschen lesen gerne. Und besonders gerne
Geschichten von anderen Leuten, nicht nur über die Reichen und Schönen, nicht nur von all den Alltagssorgen und Glücksfällen, die anderen widerfahren, sondern von allem, was Menschen beschäftigen kann.
Von neuen Büchern, politischen Konflikten, Reisen, Gefahren, Berufschancen, der Bewältigung von Widerständen, von technischen und künstlerischen Entwicklungen, von Großmutters Rezept für den
Streuselkuchen zu Tante Lottes Kräutertipps für die Einmachgurken und die Kürbissupppe.
Ein anderes starkes Motiv für die Teilnahme an diesem Spiel ist das Mitteilungsbedürfnis der Menschen.
Dabei fällt die Einschränkung durch ein direktes Gegenüber fort.
Erst mal ist kein Widerspruch, keine Kritik, keine unfreundliche Geste oder Mimik zu befürchten.
Viele weitere Beweggründe für diese Neigung sind uns allen bekannt.
Ein drittes Bedürfnis ist der Wunsch nach Bestätigung und Zustimmung, im Jargon liebevoll als 'Streicheleinheiten' umschrieben.
Aber Lob und Anerkennung - eine andere Form der Bestätigung - sind auch eine besondere Triebfeder für persönliches Engagement, für den Einsatz für das Gute und für richtig Erkannte -
Eine weitere Form der Kommunikation ist die vielgerühmte Teamarbeit, Zusammenarbeit für ein gemeinsames Ziel - oder Projekt.
Keine unserer gesellschaftlich relevanten Bewegungen und kaum ein Projekt kommt ohne Teamarbeit, ohne Zuarbeit Einzelner zu einem größeren Ganzen aus.
Als nützliches Beispiel sei hier nur das 'Wikipedia'-Projekt genannt, das auf der freiwilligen Mitarbeit der Vielen aufbaut, die in ihren Beiträgen ihr Wissen, ihre Erfahrung und ihre Expertise allen anderen zur Information und auch zur Ergänzung anbieten.
Hier wurden nur einige der Ansätze angeführt zur Illustration der 'Plattform, die die Blogosphäre darstellt für alle, die an ihr teilnehmen.
Kritik, Diskussion, Anregungen, Ergänzungen, Nachfragen, die Bandbreite menschlicher Kommunikation gehört dazu.
Hinzu kommt, wie einfach es inzwischen geworden ist, einen eigenen Blog ins Internet zu stellen: Die meisten Provider bieten ihren Mitgliedern die kostenlose Nutzung ihrer Blog-Website (eigentlich ihrer Domain) an - und damit so etwas wie ein 'Untermietverhältnis' in ihrem großen Haus.
Mit wenigen Angaben zur Person, einem Passwort und einem Usernamen kann der Neuling Nutzer und Besitzer eines eigenen Blogs werden und dort sofort seine eigenen Gedanken 'ins Netz stellen'- zu einem Leitthema, das er selbst festlegt.
Nun wird es spannend: Was macht den Blog zu einem 'Erfolg?.
Wie und wo finden sich Leser?
Worin unterscheidet er sich von den anderen?
Sicher, Thematik und Nische stehen fest.
Der Inhalt der Beiträge, die Interpretation und die 'Erklärung der Welt' sind Eigengewächse des Verfassers.
Zu diesen Fragen, zur Bedeutung des Inhalts, zur Abgrenzung eines Blogs von 'den anderen' in seiner Entwicklung werden wir in den nächsten Abschnitten gelangen.